Bei Google+ macht zur Zeit ein Bewerbungsschreiben die Runde, mit dem die Verfasserin eine Punktlandung hingelegt hat. Die Unternehmen stehen Schlange, um sie zu einem Bewerbungsgespräch einladen zu dürfen.
Karrierebibel hat die Bewerbung im Wortlaut veröffentlicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich an Ihrer Stelle wäre echt voll genervt, wenn ich täglich unzählige Bewerbungen lesen müsste, die alle mit “Hiermit bewerbe ich mich…” anfangen. Ich frage mich sowieso, wer sich bei der heutigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt noch eine ernsthafte Bewerbung erlauben kann, denn 50 Bewerbungen und 50 Absagen sind nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Meine Mama sagt immer: “Kind, geh schaffe und bring Kohle bei…!” Aber Sie wissen ja bestimmt wie Mamas so sind, Sie haben sicher auch eine. Na ja, man muss sie verstehen, Mama will schließlich nur das Beste für mich.

Fakt ist, ich suche einen Ausbildungsplatz auf jeden Fall als Tourismuskauffrau, und ich will zu Ihnen. Seit zwei Jahren möchte ich eigentlich nichts anderes. Noch besuche ich die 10. Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule in Nürnberg, die ich – so Gott will und das will er – 2012 mit der Fachoberschulreife abschließen werde.

Einen IQ habe ich auch, nur in Mathematik nicht. Aber wer will denn schon wissen, wie hoch die Cheops-Pyramide auf den Millimeter genau ist (sie ist SEHR hoch!)? Auf der anderen Seite kann ich Ihnen natürlich mit Excel problemlos ausrechnen, wie viel Säcke Reis in China jährlich umfallen und mit Power Point eine voll animierte Präsentation des Lebens der gemeinen Schmeißfliege im 13. Jahrhundert erstellen. Und bei Bedarf kann ich auch einem Engländer eine Brücke verkaufen. Mit einem wundervollen Ausblick auf den Rhein.

Wenn Sie mit dem Lesen bis hierhin gekommen sind und sich immer noch nicht dafür entschieden haben, mich zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, dann dürfen Sie meine Bewerbung gerne ausdrucken und einen Papierflieger basteln. Mal ganz im Ernst, heutzutage schreibt doch fast jeder, der eine Ausbildung sucht, eine Bewerbung mit dem Gedanken, dass er sowieso eine Absage bekommt, bei mir wird’s wenigstens ein Papierflieger.

Auf Wunsch schicke ich Ihnen natürlich auch noch eine dieser langweiligen Standardbewerbungen (… hab ich alles gelernt) und natürlich auch mit Foto. Bis ich im August 2012 bei Ihnen anfangen kann, habe ich mich auch noch zeugnismäßig mächtig ins Zeug gelegt. Schließlich möchte ich auch ein wenig glänzen.

Bis demnächst (hoffentlich), jetzt liegt es an Ihnen. Oh Gott, was soll ich anziehen?

Mit freundlichen Grüßen

Schon der erste Satz trifft den Punkt:
"ich an Ihrer Stelle wäre echt voll genervt, wenn ich täglich unzählige Bewerbungen lesen müsste, die alle mit “Hiermit bewerbe ich mich…” anfangen."
Und schon ist ihr die Aufmerksamkeit des Adressaten sicher.
Wenn die Bewerbung tatsächlich zur Person passt, hat sie gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu bekommen.
Sie ist witzig, kreativ und originell und weil sie damit interessant ist, landet ihr Schreiben nicht auf dem Stapel der anderen Einheitsschreiben.
Aus solchen Beispielen kann man immer wieder lernen- unabhängig davon, ob es um einen Ausbildungsvertrag oder um etwas ganz anderes geht.
Will man aus der Masse ausscheren, muss man anders sein und sein Gegenüber überraschen.
Klar wird es auch sehr konservative Personalabteilungen geben, die mit so einer Bewerbung nichts anfangen können, aber dort würde die Bewerberin sich sicher auch nicht entfalten können, insofern spielt es keine Rolle, wenn sie bei diesen Unternehmen von vornherein aussortiert wird.