In meinem Job als Beraterin begegnen mir auch immer wieder ungewöhnliche Geschäftsmodelle bei eBay.
In der Regel sind das Modelle für einen Nebenverdienst, die durchaus 4-stellige Einnahmen bringen können.
Fast schon frech, aber sehr kreativ ist folgendes Modell, über das ich schmunzeln musste:
Ein Verkäufer bietet bei eBay Produkte an, die er bei Amazon günstiger einkauft.
Das an sich ist nicht so ungewöhnlich, es gibt einige, die Ware in regulären Onlineshops einkaufen ( statt beim Großhändler) und dann bei eBay oder bei Amazon verkaufen.
Gerade bei einigen Supersonderangeboten im Netz kann sich das auch durchaus lohnen.
Aber das Modell, von dem ich spreche geht einen Schritt weiter.
Diese kreativen Köpfe nehmen kein Geld für den Wareneinkauf in die Hand und nehmen zusätzlich den eigentlichen Verkäufer als kostenlosen Fulfillment - Dienstleister in Anspruch.
Wie das funktioniert:
Sie bieten Ware bei eBay ( bzw. Amazon) an.
Ware von der sie wissen, dass sie auf dem anderen Marktplatz günstiger angeboten wird.
Wird die Ware verkauft, kaufen sie selbst die Ware zu dem günstigeren Preis auf der jeweils anderen Plattform ein und übermitteln diesem Verkäufer als Versandanschrift die Anschrift ihres eigenen Käufers.
Dieser Verkäufer übernimmt dann der Versand.
So werden dann teilweise gar nicht so unbeträchtliche Gewinne erwirtschaftet und zwar ohne Vorfinanzierung der Ware und ohne die Arbeit mit dem Versand zu haben.
Bei einem Modell dieser Art, das ich beobachtet habe, betrug die Preisdifferenz zwischen beiden Plattformen fast 50 Euro.
Natürlich setzt dieses Vorgehen voraus, dass man beide Märkte gut kennt und sehr flexibel ist.
Was heute auf der einen Plattform günstiger ist, kann morgen bereits auf der anderen Plattform günstiger sein und dann muss man schnell reagieren um keinen Verlust zu machen. ( Schließlich ist man verpflichet dem Käufer die Ware zu verkaufen und daran muss man sich auch halten, wenn man das längerfristig machen will).
Meine erste spontane Reaktion war: Frech! Aber dann habe ich darüber nachgedacht und ich muss sagen - als Verkäufer, der die Ware dann an den Kunden des anderen Verkäufers schickt, würde mich das gar nicht stören.
Ich habe die Ware zu meinem Preis angeboten und meinen Preis bekommen.
Wenn der andere mehr bekommt - gut - dann wäre mir persönlich das ein Ansporn auch mehr zu bekommen, aber unterbinden würde ich es nicht.


Vielleicht liest sich das alles sehr kompliziert, daher hier ein fiktives Beispiel:
Ich biete bei Amazon ein komplettes Besteckset für 89 Euro an.
Sie bieten exakt dieses Besteckset bei eBay für 129 Euro an.
Bei Ihnen schlägt ein eBay Käufer zu und kauft das Besteckset bei Ihnen für 129 Euro.
Jetzt kaufen Sie das Besteckset bei mir ( Amazon) für 89 Euro und bitten mich das Besteckset nicht an mich, sondern an eine andere Versandanschrift zu senden ( in diesem Fall direkt an Ihren eBay-Käufer.)
Von den 40 Euro Diffenenz müssen Sie zwar eBay, eventuell PayPalgebühren etc ( Steuern nicht vergessen!) bezahlen, aber sie müssen weder die Ware vorfinanzieren, noch benötigen Sie ein Lager oder müssen selbst die Päckchen packen.

Auch wenn es sich einfach liest, es setzt eine ausgezeichnete Kenntnis der Märkte und ein sehr hohes Maß an Flexibilität voraus.
Was Sie dabei nie vergessen dürfen: Sie müssen die Ware ausliefern!
Erhöht sich der Preis also, tragen Sie das Risiko die Ware selbst teurer einkaufen zu müssen.
Und Sie müssen sicher sein, dass Sie selbst bei einem seriösen Händler einkaufen, der die Ware tatsächlich liefern kann!
Sie sind derjenige, der bei eBay als Anbieter gilt - mit allen Pflichten, die gewerbliche Verkäufer erfüllen müssen!

Im Grunde ist es eine Art des Drop-Shippings, allerdings in abgewandelter Form, die einen höheren Gewinn abwerfen kann.
Beim klassischen Drop-Shipping lassen sich selten gute Gewinne erzielen, weil alle die gleichen Produkte von ihrem Drop-Shipper beziehen und außerdem gibt es im klassischen Drop-Shipping Bereich viele schwarze Schafe!
Mich persönlich konnte noch kein einziger Drop-Shipper überzeugen, während ich dem obigen Modell durchaus Chancen einräumen würde, auch wenn ich selbst diese Methode nicht anwenden würde.

In dieser Woche schreibe ich noch über ein weiteres Geschäftsmodell, das diesem hier ähnelt und doch ganz anders ist!

Kurzes Update
Ein anderer Blog im Netz, der leider kein richtiger Blog ist, weil man einzelne Artikel nicht verlinken kann, hat diesen Artikel aufgegriffen und kritisiert, dass dieses Modell nicht funktionieren würde. ( Ich hätte den Artikel gerne verlinkt, wobei es natürlich noch schöner und vielleicht auch üblicher gewesen wäre, die Diskussion die dort nicht entstehen kann, weil keine Kommentare zugelasen sind, direkt hier zu führen.)

Nun war es nicht mein Anliegen hier fix und fertige Step-by-Step Anleitungen mit allen FAQs zu liefern und ich bin bisher auch davon ausgegangen, dass das klar ist.
So kritisiert dieser Blog ( www.bvoh.de) u.a. dass das Modell nicht funktioneren kann, weil der Amazon Händler eine Rechnung beilegt und der eBaykunde dann den " Schwindel" bemerkt. Nun - ein wenig Kreativität setze ich immer voraus, wenn ich Artikel schreibe.
Das z.B. ließe sich ganz einfach mit der Option "als Geschenk verschicken" umgehen.

Wie gesagt - insgesamt sollen meine Artikel vor allem der Inspiration dienen und verfolgen gar nicht den Anspruch mundgerecht serviert zu werden.